Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Bauprozessmanagement mit Building Information Modelling (BIM) mit 5G von Bau- und Projektentwickler Büter Bau aus Ringe, der Wirtschaftsförderung der Grafschaft Bentheim und der Technischen Universität Dortmund wurde beim „5G Innovationswettbewerb im Rahmen der 5x5G-Strategie“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ausgezeichnet und erhält nun 100.000 Euro Förderung. Das ist ein wichtiger Schritt für den 5G-Ausbau in der Grafschaft Bentheim.

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Über alle Lebensbereiche und Branchen hinweg wachsen die digitalen Strukturen und Vernetzungsmöglichkeiten. Beispiele dafür gibt es ausreichend. Ob es sich um Telemedizin und elektronische Patientenakte handelt, um die Vernetzung von Maschinen im Rahmen von Industrie 4.0, Smart Home-Technologie oder um die ganze Diskussionen um ‚intelligente Städte‘ (Smart Cities), autonomes Fahren und die Mobilität der Zukunft – überall nimmt die Digitalisierung an Fahrt auf.

In diesem Zusammenhang nimmt der neue Mobilfunkstandard 5G eine wichtige Rolle ein. 5G (für „fünfte Generation“) ist der Name eines Standards für mobiles Internet und Mobiltelefonie. Im Vergleich zum 4G-Standard werden bei der 5G-Technik mit den folgenden Eigenschaften herausgestellt (Quelle: wikipedia.de):

•          Datenraten bis zu zehn Gigabit pro Sekunde

•          Nutzung höherer Frequenzbereiche

•          erhöhte Frequenzkapazität und Datendurchsatz

•          Echtzeitübertragung, wodurch weltweit 100 Milliarden Mobilfunkgeräte gleichzeitig ansprechbar sind

•          Latenzzeiten von wenigen Millisekunden bis unter eine Millisekunde

Oder, wie der Netzbetreiber Vodafone betont: „5G ist der nächste Schritt in der Entwicklung des Mobilfunks – und dieser Sprung ist gigantisch. Die technischen Daten von 5G beeindrucken. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist so schnell wie beim menschlichen Nervensystem, es geht nur noch um Millisekunden. Daneben ermöglicht der neue Standard auch eine neue Form von Intelligenz. Die Übertragungsleistung lässt sich mittels Network Slicing immer passend zu einzelnen Anwendungen einstellen. Das bedeutet: Das Netz wird in verschiedene Schichten aufgeteilt.“

 

In der Grafschaft Bentheim wird der 5G-Ausbau vorangetrieben

In Deutschland wird viel in den Ausbau von 5G investiert. Die Deutsche Telekom kündigte an, bis zum Jahr 2025 mindestens 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche Deutschlands mit 5G zu versorgen. Dazu will sie jedes Jahr mehr als 2.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen. Auch Vodafone investiert laut eigenen Angaben entschlossen in den neuen Netzstandard. Bis 2021 werden 20 Millionen Menschen in Deutschland Zugang zu unserem 5G-Mobilnetz haben.

Auch in der Grafschaft Bentheim wird der 5G-Ausbau vorangetrieben – und zwar aktuell ganz konkret im Rahmen eines Forschungsprojektes, das sich ganz konkret auf das prominente Neubauprojekt „Wohnprojekt an der Kanalallee“ in Nordhorn bezieht. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Bauprozessmanagement mit Building Information Modelling (BIM) mit 5G“ von Bau- und Projektentwickler Büter Bau aus Ringe, der Wirtschaftsförderung der Grafschaft Bentheim und der Technischen Universität Dortmund wurde beim „5G Innovationswettbewerb im Rahmen der 5x5G-Strategie“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ausgezeichnet und erhält für die Entwicklung von Konzepten für 5G-Projekte in Pionierregionen nun 100.000 Euro.

Für die Region ist die frühzeitige und flächendeckende Anbindung an das 5G-Netz enorm wichtig. Die jetzige Abdeckung im Bereich 4G lässt zu wünschen übrig, da die Netze der deutschen Netzbetreiber im grenznahen Bereich nur mit reduzierter Sendeleistung arbeiten. Das Projekt soll dabei helfen, eine sehr schnelle Netzabdeckung auszubauen.

 

„Ambient Assisted Living“ im altersgerechten, barrierearmen Wohnraum

Das Quartier „Wohnen an der Kanalallee“ in Nordhorn ist eines der herausragenden Bauprojekte der kommenden Jahre in der Stadt. Insgesamt entstehen in dem Wohnpark am Nordhorn-Almelo-Kanal, nur zwei Kilometer von der Fußgängerzone entfernt, 77 Eigentumswohnungen, 66 Reihenhäuser, 16 Halbhäuser, sechs Einfamilienhäuser und 25 Wohnungen im geförderten Wohnungsbau. Mit der Fertigstellung wird 2024 gerechnet.

5G-Technologie wird im neuen Quartier „Wohnen an der Kanalallee“ unter anderem zur maßgeblichen Erhöhung der Lebensqualität und Sicherheit im altersgerechten, barrierearmen Wohnraum eingesetzt. In dem Zusammenhang kommt der Ansatz des „Ambient Assisted Living“ (ALL) durch 5G Unterstützung als Teilaspekt zum Tragen. Ambient Assisted Living umfasst Methoden, Konzepte, (elektronische) Systeme, Produkte sowie Dienstleistungen, welche das alltägliche Leben älterer und auch behinderter Menschen situationsabhängig und unaufdringlich unterstützen. Im deutschen Sprachgebrauch lässt sich der Begriff am besten mit „Alltagstaugliche Assistenzlösungen für ein selbstbestimmtes Leben“ übersetzen. Um diese Technologie störungsfrei umzusetzen, ist eine hochleistungsfähige und vor allem äußerst stabile Netzwerkstruktur notwendig. Damit wird gewährleistet, dass die Vernetzung der technischen Komponenten dauerhaft störungsfrei funktioniert.

 

Effizientes, störungsfreies und kostengünstiges Bauen

Die 5G-Technologie wird bei dem großangelegten und zukunftsweisenden Nordhorner Bauprojekt vor allem genutzt, um das sogenannte „Building Information Management“ (BIM) weiterzuentwickeln und den Schritt in die digitale Zukunft der Bauwirtschaft zu ermöglichen

Das ist derzeit in aller Munde und führt zu vielen Vorteilen in der Bauwirtschaft und Projektentwicklung. Dazu gehören beeindruckende Visualisierungen der Gebäude und Animationen sowie effizientes, störungsfreies und kostengünstiges Bauen. Ebenso steht die Vernetzung im Fokus: Die Kommunikation zwischen dem CAD-System des Planers, des Bauunternehmens und einem BIM-System klappt in der Regel recht gut. Hierzu werden üblicherweise „Cloud-Lösungen“ zum Datenaustausch eingesetzt. Aber: Die Kommunikation ist sehr einseitig, es wird viel im Büro geplant. Es gibt wenig bis keine zeitnahe Rückmeldung des Baufortschritts von der Baustelle oder von den einzelnen Gewerken. Ein enges und zeitnahes Bauprozessmanagement ist damit nicht möglich.

 

5G für Building Information Management in Echtzeit

Hier setzt das geförderte 5G-Innovationsprojekt von Büter Bau, der Wirtschaftsförderung und der Technischen Universität Dortmund an: Für das Bauprojekt ist vorgesehen, dass das BIM-Modell immer über die aktuellsten Daten der Baustelle verfügt. Hierzu muss der Baufortschritt engmaschig erfasst werden und alle Daten müssen in Echtzeit in das Building Information Management-System fließen. Das BIM-Modell der kompletten Baustelle befindet sich hierzu in der Cloud. Die Herausforderungen bestehen zunächst in der kontinuierlichen Übertragung großer Datenmenge „just in time“. Die Daten auf der Baustelle werden laufend über hochauflösende, stationäre 3D-Scanner im Innen- und Außenbereich erfasst und sofort an das BIM-Modell übermittelt. Damit ist der Austausch der BIM-Daten (Modelldaten) zwischen Büro und Baustelle in Echtzeit durch das individuell errichtet 5G-Campusnetz jederzeit sichergestellt.

Beim BIM-Modell steht zunächst die Verwendung von digitalen Daten, die im Büro am grünen Tisch erzeugt werden, im Vordergrund. Diese sind mit den Daten und dem Baufortschritt auf den Baustellen abzugleichen. Das ist die direkte Anwendung von digitalen Hilfsmitteln auf den Baustellen, zum einen als Hilfestellung für die Montage, aber auch als Hilfestellung für die Bemusterung beziehungsweise Prüfung von Ausführungsmöglichkeiten.

 

Grafschaft Bentheim bringt sich frühzeitig in Stellung

Unter anderem ist übrigens vorgesehen, in Zusammenarbeit mit der Breitbandgesellschaft des Landkreises und den Nordhorner Versorgungsbetrieben das Wohnquartier „Wohnen an der Kanalallee“ bereits in der Bauphase mit Glasfaser zu erschließen. Hierdurch sind die Voraussetzungen für die Anbindung der 5G-Versorgung bereits im Vorfeld geschaffen und jeder Haushalt in dem Gebiet profitiert von dem Breitbandangebot.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann freut sich über die Förderung: „Das Emsland und die Grafschaft Bentheim haben sich mit ihren Projekten beim ‚5G Innovationsprogramm‘ des Bundes unter 138 Antragsstellern durchgesetzt. Das ist der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zu einem modernen und flächendeckenden Mobilfunknetz in unserer Heimat. Nun gilt es das Projekt mit Leben zu füllen, damit am Ende auch eine Investitionsförderung des Bundes folgt. Dafür werde ich mich in Berlin einsetzen.“

Und Landrat Uwe Fietzek sagte bei einer Veranstaltung im Rahmen der Förderzusage mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin: „Wir haben großes Interesse daran, dass sich die Grafschaft vor dem Hintergrund des digitalen Strukturwandels frühzeitig in Stellung bringt. Ich freue mich sehr, dass wir mit unserem erfolgreichen Förderantrag direkt einen bedeutenden Meilenstein setzen konnten.“